G. Gille
Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau e. V., Düsseldorf;
Die Infektion mit Chlamydia trachomatis ( CT ) ist weltweit die am weitesten verbreitete sexuell übertragbare Krankheit mit der möglichen Konsequenz einer Sterilität insbesondere junger Mädchen und Frauen. Da ca. 75 % der Infektionen klinisch inapparent verlaufen, wird die Infektion von den Betroffenen häufig erst bemerkt, wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt.
In Deutschland ist die Prävalenz von Chlamydien unbekannt, das gilt auch und insbesondere für Jugendliche. Entsprechende Ergebnisse aus dem Ausland sind besorgniserregend und führten dort bereits zu breit angelegten Aufklärungskampagnen und Screeningprogrammen. Da Jugendsexualität aber auch in Deutschland eine gesellschaftliche Realität darstellt und der Kondomgebrauch sich trotz umfangreicher Werbekampagnen im Rahmen der AIDS - Prävention nicht wirklich etablieren konnte, haben wir in Zusammenarbeit mit 30 Gynäkologenpraxen in Berlin eine orientierende Beobachtungsstudie bei minderjährigen Mädchen durchgeführt hinsichtlich der Prävalenz von Chlamydien und zum Sexual- und Schutzverhalten Jugendlicher. Die Ergebnisse bestätigen die Befürchtung, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass auch in Deutschland bereits eine heimliche Chlamydien - Epidemie unter Jugendlichen existiert und sie sind deshalb hinsichtlich der reproduktiven Gesundheit junger Mädchen von hoher präventiver Bedeutung. In wieweit die Pubertät an sich ein Risiko insbesondere für Mädchen darstellt, sich mit Chlamydien zu infizieren und die sich daraus ergebende hochaktuelle Forderung an die gesundheitspolitischen Entscheidungsträger wird vor dem Hintergrund soziokultureller Daten reflektiert und formuliert.