Helmuth G. Dörr
Die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendgynäkologie e.V. (AG) gehört seit ihrer Gründung sowohl der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe als auch der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin an und nimmt an deren Jahrestagungen aktiv mit einem eigenen wissenschaftlichen Programm teil.
Gemäß ihrer Satzung verfolgt die AG Kinder- und Jugendgynäkologie über den Kreis ihrer Mitglieder hinaus den Zweck, die Kinder- und Jugendgynäkologie und deren wissenschaftliche Grundlagen als integrative Elemente der pädiatrischen und gynäkologischen Lehre, Praxis und Weiterbildung umfassend zu fördern und dem medizinischen Fortschritt auf diesem Gebiet zu dienen. Die AG stellt sich insbesondere der Forderung, alle an der Kinder- und Jugendgynäkologie interessierten Ärzte und Vertreter anderer einschlägiger Disziplinen zusammenzuführen. Daraus ergeben sich folgende, den wissenschaftlichen und integrativen Anspruch der AG charakterisierende Ziele und Aufgaben:
Unter dem Aspekt, die Erarbeitung wissenschaftlich begründeter Kenntnisse und fundierter Verallgemeinerungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendgynäkologie in Deutschland zu befördern, existiert seit 1995 ein eigener, jährlich in zwei Stufen ausgeschriebener Wissenschaftspreis der AG. Der Preis wird aus den Beiträgen der Mitglieder getragen. In Anerkennung der Verdienste von Frau Dr. Esser Mittag um die Belange der Kinder- und Jugendgynäkologie in Deutschland wird dieser Preis auf Vorstandsbeschluss seit dem Jahre 2002 als JUDITH ESSER MITTAG – Preis in den wesentlichen deutschen Fachzeitschriften jährlich in zwei Stufen ausgelobt.
Der 1. Preis ist mit € 4.000 und der 2. Preis mit € 2.500 dotiert. Teilnahmeberechtigt sind alle Ärzte/Innen mit einer deutschen Approbation. Neben Arbeiten von einzelnen Autoren sind auch solche von Arbeitsgruppen zugelassen. Bei letzteren wird der Ausweis der Einzelleistungen in den Schriften vorausgesetzt.
Die in deutscher Sprache verfassten Arbeiten dürfen nicht älter als 18 Monate, nicht veröffentlicht und noch nicht mit einem Preis ausgezeichnet worden sein. Nach schriftlich bestätigtem Eingang einer Arbeit beim Vorstand der AG ist sie für den/die Verfasser zur Veröffentlichung frei. Der Vorstand der AG bestellt die Mitglieder eines Gutachterkollegiums. Dessen Entscheid ist unanfechtbar, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Mit dem Judith Esser Mittag - Preis gewürdigte Arbeiten sind von den Autoren in geeignetem Rahmen zu präsentieren.
Neben der Würdigung herausragender Ergebnisse der Forschung auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendgynäkologie zielt der Preis auch auf die Förderung wissenschaftlich begründeter und für die tägliche ärztliche Praxis relevanter Untersuchungen. Letzteres wendet sich somit insbesondere an niedergelassene kinder- und jugendgynäkologisch tätige Ärztinnen und Ärzte, interessante Fragen mit hoher praktischer Relevanz unter wissenschaftlichen Aspekten zu analysieren und aufzubereiten.
Während vorauszusetzen ist, dass an Instituten und Kliniken integrative wissenschaftliche Arbeit immanent und durch Mentoren gefördert ist, finden Niedergelassene bei der Fülle ihrer Tagesaufgaben kaum den Ansatz, um ein erkanntes Problem wissenschaftlich zu bearbeiten, geschweige denn auch die Ergebnisse zu publizieren. Deshalb fördert der Vorstand der AG besonders solche wissenschaftlichen Arbeiten durch Vermittlung eines geeigneten Mentors und von Kontakten zu den betreffenden Kliniken und Zentren.
Mit der jährlichen Auslobung und Verleihung des Judith Esser Mittag - Preises hat die AG für Kinder und Jugendgynäkologie ein positives Zeichen für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendgynäkologie in Deutschland gesetzt. Der Preis ist sehr gut dotiert und muss sich hinter anderen wissenschaftlichen Preisen nicht verstecken.
Die Förderung des Profils der Kinder- und Jugendgynäkologie in Deutschland mit dem Judith Esser Mittag – Preis steht im Einklang mit dem Anspruch der AG, die kinder- und jugendgynäkologisch tätigen Ärztinnen und Ärzte auch für den Erwerb der internationalen Qualifizierung mit dem IFEPAG (International Fellowship of Pediatric and Adolescent Gynecology) Zertifikat zu qualifizieren. Dazu werden neben regelmäßigen Symposien, Kongressen, regionalen Weiterbildungen, Hospitationen an definierten Zentren auch gezielte Seminarprogramme der AG gestaltet und angeboten.
Das von der „Federation Internationale de Gynecologie Infantile et Juvenile“ (FIGIJ) getragene IFEPAG Fellowship Zertifikat ist in vielen Ländern heute bereits Voraussetzung und Anerkennung, um als Arzt/Ärztin kinder- und jugendgynäkologisch tätig zu sein. Es ist zu hoffen, dass die IFEPAG-spezifischen Schwerpunkte der Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge schließlich auch zur Qualifikation seitens der zuständigen Ärztekammern führen.
Verfasser:
Prof. Dr. med. Helmuth G. Dörr
Mitglied im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendgynäkologie e.V.
Anschrift: Klinik mit Poliklinik für Kinder und Jugendliche
Universität Erlangen-Nürnberg,
Loschgestr. 15, 91054 Erlangen
E-Mail: 